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Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Sinologe
02-jun-04
Ich finde es immer wieder interessant, wie sich Leute, die kein Wort Chinesisch sprechen (Leute, die zum Teil laenger als 10 Jahre in China sind!!) sich ueber Sinologen aufregen.

Wie oft bin ich mit Deutschen oder anderen Auslandern unterwegs, die tolle Positionen in China haben, die sich CEO oder GM nennen, aber in der Bar nicht in der Lage sind, ein Bier auf Chinesisch zu bestellen, oder damit angeben, dass sie immerhin "wo ai ni" (Ich liebe dich) sagen koennen. (Natuerlich sind das alles "CHINA-Kenner" ha ha).

Es ist mir egal, ob es Mr. Siemens ist oder wer auch immer, innerlich lache ich mich immer halb krank.

In diesem Forum sind natuerlich ALLE Leute Spezialisten, soviel habe ich bereits gelernt.

Wer die chin. Sprache nicht kennt und versteht, kann auch China niemals richtig verstehen, dass ist meine Meinung.

Ich freue mich auf alle Expertenmeinungen...
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Godfather
03-jun-04
Hi Sinologe,

ich kann deinen Unmut verstehen, vielleicht schaffe ich es etwas Verständnis für die Gegenseite aufzubringen.

Es gibt zwei Arten. Die, die kurzfristig hier sind, das wären dann Praktikanten oder Leute die nur für ein Projekt hierhin kommen, und die die langfristig hier sind, sprich GM & Co.

Leute die nur kurzfristig hier sind, haben nicht die Möglichkeit Chinesisch so zu lernen, dass es für eine großartige Kommunikation reicht. Praktikanten kommen sicherlich aus eigenem Interesse hierhin, dass ist oft aber sicherlich nicht wegen Land und Kultur, sondern aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung.

Diejenigen, die langfristig hier bleiben, werden zum großen Teil als Expat hier entsandt. Hier ist nicht das Interesse an China von Bedeutung, sondern der Job. Aber selbst wenn ein gesteigertes Interesse vorliegt, so haben die Leute ein Problem, dass die hier ARBEITEN. Chinesisch ist keine Sprach zum nebenher lernen. Man muss das konzentriert lernen oder, wie in deinem Fall, hauptberuflich studieren.

Sogesehen gibt es also kulturelle Unterschiede, nicht nur zwischen Ausländern und Chinesen, sondern zwischen Sinologen und nicht Sinologen. Bei Sinologen, geht es nun mal nur um China, seine Sprache, Kultur oder was auch immer. Für die meisten Ausländer die hier sind, geht es aber ums Geschäft! Keine Firma zahlt, damit die Mitarbeiter hier angemessen Chinesisch sprechen.

Ich kann jetzt noch weiterschreiben, dass es ja wichtig ist, dass die Expats die Sprache können, weil nur so die Kultur verstanden werden kann, etc. Aber warum soll man kostbare "Humanressourcen" im Unterricht verschwenden, wenn sehr gut ausgebildete Chinesen, den Reibungsverlust minimieren können. Nicht umsonst geht der Trend dahin, dass nur noch die obersten Managmentebenen von Expats besetzt werden.

Zaijian
God

PS Im übrigen minimierst du den Abstand zu dir und den "Spezialisten" wenn du direkt hier "ALLE" so anmachst. So erntest du nur das, was du sähst.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Neu in SH
03-jun-04
>Wer die chin. Sprache nicht kennt und versteht, kann auch China niemals richtig verstehen, dass ist meine Meinung.

Es darf auch deine Meinung sein. Egal wie falsch sie ist.

Eine Position wird nach Kenntnissen besetzt, und sorry, Sprachkenntnisse sind einfach unwichtig in vielen leitenden Positionen. Ob jemand Mandarin spricht ist fuer die meissten Jobs einfach unerheblich.

Du findest genauso US Amis die Positionen in DE haben ohne deutsch zu sprechen. Es geht darum einen Job zu machen, und nicht in der Bar ein Bier zu kaufen.

Es gibt leider kaum Sinologen die geschaefftlich auch noch was drauf haben. Das wissen ist dann nett, aber bringt dich in der Kariere kaum weiter. Dafuer kannst du aber an der Bar auf Mandarin ein Bier bestellen....

PS: Die Sprache heisst "Mandarin" und nicht "Chinesisch", Chinesisch kann je nachdem wo man ist was anderes sein und ist kein linguistischer Sprachbegriff. (Lachnummer: eine Airline hatte mal Anzeigen geschaltet nach Flugpersonal was 'indisch' sprechen sollte)
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Godfather
03-jun-04
@Neu in SH

...und dabei weiß doch jeder, dass es H-indisch ist ;-)

Aber ich glaube nicht, dass Sinologe falsch mit seiner Meinung ist. Problem ist nun mal, dass man ohne ein gutes beherrschen der Sprache immer nur bis zu einer bestimmten Tiefe hier wirklich verstehen kann. Oder glaubst du, dass der Verkäufer vom Dönerladen, der nur gebrochen Deutsch kann, einen tiefergehendes Verständnis von Deutschland und den Deutschen hat? Nein! Ohne Sprache kein richtiger Kontakt zu den "Einheimischen" und ohne diesen, kannst du keine authentischen Erfahrungen machen. Oder möchtest du nur danach beurteilt werden, wie du dir den Döner bestellst?

Ich halte das für ein grundlegendes Problem. Denn ohne Sprachkenntnisse auch keine wirkliche Integration, ohne diese sind all deine Beobachtungen nur als Außenstehender zu sehen usw usf.

Zaijian
God
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
03-jun-04
…alles, was geschrieben wurde bisher ist auch irgendwie richtig. Godfathers Ausfuehrungen fand ich besonders wichtig. Die “kulturellen Unterschiede” auch zwischen uns…
Als BWLer und Sinologe versuche ich mich immer im Spagat. Oft werden ausschliesslich BWLer Kenntnisse gebraucht, manchmal eben auch die des Sinologen. Das eine gegen das andere auszuspielen ist unsinnig. Ein “reiner Sinologe” wird nie geschaeftlich erfolgreich sein, wenn er nicht einen gehoerigen Schuss natuerlichen Geeschaeftsbiss mitbringt. Umgekehrt wie der “reine Expat” nie voellig integriert sein wird und z.B. die wichtigen Unterstroemungen und “wechselnden Allianzen auf Zuruf” in einem chin. besetzten meeting verstehen wird.
Arbeite hier jeden Tag direkt mit Chinesen zusammen. Der Austausch ist viel direkter, Missverstaendnisse hat man direkt am Wickel und kann sie ausraeumen, bevor sich ‘was einschleift. Ich habe auch keine Probleme mit Herrschaftswissen von Zwischentraegern/Uebersetzern, oder das Gefuehl der Fremdheit und ewigen Anderssein unter Chinesen. Man trifft sich auf viel menschlicherer Ebene und das befruchtet die Arbeit ungemein. Probleme, die hier schon angesprochen wurden wie Loyalitaet, Fluktuation etc. habe ich nur in sehr schwacher Form.
Vertrauen, gleiche Schlagrichtung, transparentere Ablaeufe, direktere, schnellere Kommunikation, klarere Problemlagen etc. sind die Folge.
Daraus resultiert dann einfach ein Gefuehl einer echten, intensiven Zusammenarbeit und Integration in China. Dies ist ein entscheidender Faktor fuer eine langfristige, erfolgreiche Geschaeftstaetigkeit in China, finde ich. Haengt doch alles auch tatsaechlich von der zu besetzenden Position ab und ‘was im Anforderungsprofil und der Praxis tatsaechlich verlangt wird. Auch die geplante Dauer der Arbeitstaetigkeit in China ist ein wichtiger Punkt.
Also, wie immer: Die eigenen Defizite erkennen, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Und daran arbeiten.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
noley
03-jun-04
also das hat uns noch gefehlt, daß sich Sinologen jetzt auch noch über die eigene Überflüssigkeit beschweren. Vergiß einfach dein Uni-Wissen - es wird hier nicht gebraucht! Und auch ohne tieferes Wissen über 5000 Jahre Geschichte kriegt man sehr sehr schnell ein praktisches Bild von Land und Leuten - und das unterscheidet sich halt von der blauäugigen China-Duselei einiger naiver Sinologen hier...
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Neu in SH
03-jun-04
>Ein ?reiner Sinologe? wird nie geschaeftlich erfolgreich sein, wenn er nicht einen gehoerigen Schuss natuerlichen Geeschaeftsbiss mitbringt. Umgekehrt wie der ?reine Expat? nie voellig integriert sein wird

Der 'reine Expat' ohne Mandarin kann aber trotzdem sehr erfolgreich sein.

Das ist so wie mit den Chinesen die deutsch koennen (hoert gut jetzt zu!). Ist ja toll das ihr das so gut koennt! Einige die ich kennengelernt hab sprachen auch SEHR gut deutsch (dafuer das sie in in Dland waren). Dafuer sprachen sie sie dann kein, oder schlechtes, englisch.

Fuer kritische Sachen, z.B. eine Bedienungsleitung schreiben, die dann nicht 'witzig' sein soll, reichten die Dkenntnisse dann doch meisst nicht.

Aehnlich ist es mit den Sinologen. Warum soll eine Firma einen deutschen Sinologen einstellen? Jemand der Mandarin in Wort und Schrift kann laesst sich in China einfacher und billiger finden.

Klar, der Sinologe weis mehr ueber chinesische Geschichte wie die meissten Chinesen (genause wie die Chinesen die deutsch gelernt haben viel mehr ueber Grammatik wissen wie ich), aber in der Firma gibt's dafuer keinen Bedarf.

Aber wenn's auch Spass macht dann lernt es bitte! Vergesst auch im letzten Semester nicht noch rechtzeitig den Taxischein zu machen - er wird euch noch nuetzlich sein!
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Neu in SH
03-jun-04
BTW, nur zur Info, ca. 18% der Inder sprechen Hindi als Muttersprache. Offizielle Sprachen in Indien sind: Assamese, Bengali, Gujarati, Hindi, Kannada, Kashmiri, Malayalam, Marathi, Oriya, Panjabi, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu, Urdu, English. Als Fremdsprache erreicht Hindi ca. 50% (meine Freunde aus Mumbai koennen kaum Hindi)

In China sprechen ca. 70% Mandarin (in irgendeiner Form) als Muttersprache. 7.5% sprechen eine Sprache der 'Shanghaigruppe', 4.5% eine Form von Cantonese.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
noley
03-jun-04
@neu in SH

meine volle Zustimmung

@Sinologe

es wird ja auch von Ausländern, die nach D zum Arbeiten kommen, kein Germanistik-Studium erwartet, und es wäre auch noch nicht mal hilfreich. Sowohl als HiTec-IT-Experte als auch als Erdbeerpflücker braucht man nämlich nix von Goethe & Co. zu wissen. Umgekehrt in China ist es genauso. Ob dir das nun passt oder nicht, daß du jahrelang an der Uni gebüffelt hast und nun merkst, daß dich hier ebenso wie in D niemand braucht.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
03-jun-04
@neu in Sh., noley
...was soll das ?
Koennt Ihr nicht differenzieren ?
Klar kann man auch erfolgreich sein ohne Mandarin. Aber es ist schwerer, sehr viel schwerer. Warum nur dann der gesteigerte Alkoholkonsum bei Expats, die Fluchten aus der harten Realitaet mit xiaojies etc. ? Was ist mit langfristiger Zufriedenheit und persoenlichem Glueck ? Kinder, Kinder, als wenn die Taschen voller Geld den Expat nach Feierabend wirklich gluecklich machen wuerde. Seid doch ‘mal ehrlich zu Euch selbst !
Ich brauche z.B. die Dolmetscher. Ich hoere, wenn sich 2 Chinesen in meiner Anwesenheit ‘mal kurz kurzschliessen, um mir einen vom Pferd erzaehlen zu wollen. Ich kann die Abrechnungen, die Quittungen etc. grob selber lesen. Die doofen 5.ooo Jahre Geschichte spielen keine Rolle, warum immer dieses typ. Sinologenvorurteil. Kommt es zur Konfrontation kann ich z.B. einen kleinen Exkurs ueber ein verbindendes Thema anschlagen, die Fronten werden durchgaengiger, man kann Probleme leichter loesen etc.
Komisch, Eurer einseitige Argumentation. Definiert doch einfach ‘mal als “reine Expats” Eure typ. Problemlagen und dann guckt ‘mal wie geschmeidig, schnell und effizient man dies mit Mandarin und den Kenntnissen von China als “tools” loesen koennte. Seht doch diese Spezialkenntnisse als wirksames Zusatzwissen. Das hat wohl noch nie geschadet, hm ?
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
Neu in SH
03-jun-04
Ich sprech genug Mandarin und Cantonesisch um in allen moeglichen Lagen gut durchzukommen. Ich wuesste nun nicht wo mir ein Sinologiestudium geholfen haette.

Aber wie gesagt, wer gerne irgendwas lernt, warum nicht Mandarin? Immer noch besser wie nix tun und, tatsaechlich, in China auch in gewissen Situationen sinnvoll.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
03-jun-04
...ob ein komplettes Sinologiestudium wirklich angezeigt ist, moechte ich hier auch einmal bezweifeln. Im Hauptstudium geht es um Altchinesisch, d.h. Konfuzius und Laotze u.a. im Original. Also eine andere Umschrift (Wade-Giles), andere Grammatik und eben auch die Verwendung von Langzeichen. Dies Wissen ist zweifellos interessant, der Kauf des entsprechenden Reklamheftchens allerdings spart die ca. 3 h Vokabelrecherche und 1 h Uebersetzung pro Text....
In extremen beruflichen Kategorien zu argumentieren - wie hier teilweise geschehen - ist sinnlos. In China ist man mehr als daheim als Generalist gefragt. Hier fliessen viele Anforderungen ineinander. Das ideale Anforderungprofil ist ohne jeden Zweifel breiter. Je mehr Spezialkenntnisse zusammenkommen und situationsgerecht zum Erreichen eines Zieles angewandt werden koennten, desto besser.
Und @noley: Wissen ist m. M. nach mehr als nur Gebrauchswissen, oder Berufswissen. Vielleicht steckt hier auch ein Problem, das wir ‘mal beackern koennten. Praktischer Nutzen nach einem humanistischen Bildungskanon hin oder her, aber schliesslich ist es ja auch ‘ne schoene Sache den Chinesen etwas von unserer Kultur vermitteln zu koennen. Es geht nicht immer nur darum etwas zu “erledigen”, oder “einen Job” zu machen. Das ist die Hauptaktivitaet hier – sicher. Aber man lebt ja auch hier und hat ‘mal Feierabend.
Nochmal: Die ganzen ueblichen Alltagsprobleme, die kulturellen Schwierigkeiten, die hier das Forum zu 90 % fuellen, z.B. auch die grossen Deutungsunterschiede mit YP, das alles ist mit Hilfe von Sprache und Wissen ueber China loesbar. Und dann fangen auch solche Sachen an wie Voelkerverstaendigung, echter persoenlicher Austausch etc. Das ist in Zeiten von kulturellen Auseinandersetzungen bis hin zum Kriege (Irak) gar nicht hoch genug zu veranschlagen !
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
neu in SH
03-jun-04
@kleiner Prinz
Gegendarstellung:

Ich habe mit der Interessengemeinschaft "Gewalt gegen Sinologen" nichts zu tun! Ich bin kein Mitglied! Ich unterstuetze NICHT deren Ziele!

Ich wollte das im Vorlauf der Diskussion nur mal klarstellen!
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
kleiner Prinz
03-jun-04
@neu in Sh.
…na, dann bin ich ja beruhigt. Meine prinzliche Leibgarde bestens ausgebildeter junger Sinologen mit dicken, schaedelbrechenden Lexika gewaffnet, war schon auf defcon red… J

‘mal ein paar Beispiele:

…hab’ einmal vor zig Jahren einem jungen chin. Kollegen aus Sympathie in einem Streitgespraech den Kopf getaetschelt. Sollte guetlich und beruhigend wirken….
Der sprang hochrot auf, pflanzte sich vor mir auf und wollte mir ernsthaft an den Kragen. Tja, wenn man nicht weiss, das der Kopf, das Gesicht eine heikle Zone bei Chinesen ist…

…oder habe das Taschentuch nach Schneuzen inne Tasche gesteckt bei einem Rendevouz…tja, wollte halt nicht auf die Strasse rotzen… die Frau fand meine Loesung allerdings wirklich fies und die atmosphaerischen Stoerungen waren im weiteren Verlauf wenig hilfreich…

…oder kann bei einem meeting selber meinen chin. Namen erklaeren, den ich nicht nur phonetisch uebersetzt habe, sondern wobei die Zeichen auch einen Sinn ergeben und sich somit der Name mit meinen Intentionen in China verbindet: Die Mienen der Gespraechsteilnehmen hellten sich auf und ich war ploetzlich nicht mehr die unwissende Langnase, der moeglicherweise hier nur abraeumen will, sondern ein potentieller Freund…der in Loyalitaet zum chin. Produzenten auch ihre Interessen dem auslaendischen Kunden gegenueber vertritt…

…oder, oder, oder…
 
 
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Sinologe
03-jun-04
Urspruenglich wollte ich meinen thread 'schlechte Manager' taufen, als Gegenreaktion auf das sinnlose Praktikannten bashing. Sind denn alle entsandten Manager wirklich so toll? Optimieren alle Westler die Chancen in China? Ist ein tieferes Sprach- und Kulturwissen wirklich so unwichtig, wie 'Neu in SH' sagt?

Dann war ich mit einem ziemlich hohen Tier zusammen auf einem business meeting, und es war erschreckend, was da fuer Dinge abgegangen sind. Der Typ (ein Daene)hat bis zuletzt nicht erfahren, was die ganze Zeit am Tisch besprochen wurde, zwischem den Kunden aus Dalien und seinen eigenen Angestellten. Ich habe ihm nachher einige Dinge erklaeren muessen. Das war erschreckend fuer mich.

Natuerlich stimme ich mit Godfather ueberein, keiner kann mal eben auf die Schnelle Mandarin lernen. Natuerlich gibt es auch gute Manager, die ohne Chinesisch erfolgreich arbeiten, und es gibt auch eine Menge weltfremde Sinologen.

Das Barbeispiel war vielleicht schlecht, allerdings kann ich, wie der Kleine Prinz schon sagte, aus erster Hand erfahren, was der Taxifahrer von uns Deutschen haelt, kann der maid direkt erklaeren, was sie beim putzen besser machen kann, mit den Angestellten direkter und klarer kommunizieren, schneller Respekt bei den Chinesen gewinnen, und eben mit Chinesen private Freundschaften schliessen, die sich nicht nur ums business drehen. Und glaubt mir, die meisten Chinesen flippen total aus, wenn sie mit einer Langnase direkt sprechen koennen, das vergessen die ihr Leben nicht! Auch spielen Sprachkenntnisse und Kulturkompetenz bei grossen Unternehmen eine immer groessere Rolle.

Darueberhinaus ist es gerade die chin. Schrift, die einem sehr sehr viel ueber das Land und die Denkweise verraet. Ich denke, dass einige, die Chinesisch ueberhaupt nicht koennen, sich dazu auch kein Urteil erlauben koennen, sorry.

Falls ich morgen nach Japan versetzt werden sollte, wuerde ich mit Sicherheit als erstes einen Crashkurs in Japanisch absolvieren, keine Frage!
 
 
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stevetianjin
03-jun-04
Ich habe auch noch nie mit den Mitteln der Gruppe "Gewalt gegen Sinologen" arbeiten müssen und grundsätzlich unvoreingenommen.

Meine Negativäußerung in früheren Threads bezogen sich immer auf die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Sinologen und haben meine Grundeinstellung nicht beeinflusst.

Als Pragmatiker bin ich natürlich auf eine kooperative Haltung eines jeden Mitarbeiters angewiesen und kann die persönlichen Wünsche und Ziele eines Sinologen, der sich bei mir für ein China-Projekt bewirbt, nur begrenzt berücksichtigen, weil alles sich nach den Vorgaben unserer Kunden zu richten hat.

Wenn es mir ratsam erscheint, schleuse ich natürlich einen Sinologen/eine Sinologin aus meinem Team in die Strukturen des Auftraggebers ein und versuche ihn mit angemessenen Aufgaben zu betrauen. Das ist sicherlich nur dann möglich, wenn die Firma den finanziellen Aufwand tragen kann und diese Maßnahme im Kontext einer langfristen Strategie für den Markteintritt einen Sinn macht.

Arbeitseinsätze in China ergeben sich eher selten, allenfalls zum Zweck der Begleitung von Delegationen, Messebetreuung etc.

Anfangs hatte ich auch die Hoffnung, daß dieser Personenkreis eine Ideallösung für den Aufbau einer Betriebsstätte vor Ort sein könnte.

Weit gefehlt, denn mangelnde Praxiserfahrung, wenig oder keine Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge sowie null Interesse an Identifikation mit dem Unternehmen, wirkten sich negativ aus.

Stattdessen konnte beobachtet werden, daß Sinologen eifrig bemüht waren, "Verbindungen" aufzubauen und zu festigen, die man eigentlich für die Ziele des Unternehmen überhaupt nicht benötigte.
Diese Freundschaften erwiesen sich sogar als schädlich, weil es zu Loyalitätskonflikten zum eigenen Unternehmen führte.

Um es noch einmal klar zu sagen, sind natürlich gute Kenntnisse über Land und Leute, über die Geschichte und Besonderheiten im Umgang mit der chin. Kultur, sehr, sehr wichtig und (irgendwann) nützlich.
 
 
aw: Sinologen   guter beitrag schlechter beitrag
stevetianjin
03-jun-04
Die Zeiten der Pionierarbeit gehen dem Ende zu, denn auch in China kennt man den Kalender, wonach wir heute das Jahr 2004 schreiben.

Als ich die ersten Wirtschaftskontakte verhandelte, machte es noch einen tollen Eindruck, wenn meine Gesprächspartner (damals noch aus Politik und nur wenig Wirtschaft/Industrie) merkten, daß ich China besser kannte als die meisten Chinesen und zudem mit Tricks arbeitete, die der Durchschnittseuropäer niemals hätte erahnen können.

Schon damals habe ich mich gehütet, meine Kenntnisse offen zur Schau zu tragen und damit zu protzen. Die durchschlagenden Erfolge haben sich nur dadurch eingestellt, weil meine Mitarbeiter, sozusagen hinter vorgehaltener Hand, den wichtigen Verhandlungsteilnehmern auf chin. Seite gewisse Signale gegeben haben.
Etwa so:
"Seid vorsichtig, unser Chef ist ein Filou, der kennt China besser als wir und versteht dazu jedes Wort und besonders die Körpersprache.
Der Mann war lange Regierungsberater und hat fast nur im Ausland gelebt.
Seine Ausbildung ist erstklassig und dabei schreibt er seinen Doktortitel nicht einmal auf die Visitenkarte, weil er nicht immer nach ärztlichem Rat gefragt werden will. Neben Chinesisch spricht er noch 6 weitere Sprachen.
Sein Engagement in China ist eher ein Hobby, denn er liebt das Land, dafür die Leute weniger (so geht es den meisten Chinesen auch).
Unser Chef behandelt uns sehr gut und hat uns viel beigebracht. Die Arbeit in unserer Firma ist wie ein Schulbesuch, wir lieben unseren Lehrer.
Der Mann ist immer fair und zuverlässig und haßt leere Worte und lose Versprechungen. Dann kann er böse werden.
Ein Geheimnis, aber bitte nicht weitersagen: Wir haben einen chinesischen Namen für ihn, nur er weiß nichts davon, sein Name ist "............?........"
Er darf auf keinen Fall von unserem Gespräch erfahren, sonst ist ihm das sehr peinlich und es würde ihn verletzen."

Hört sich bescheuert an, ist aber so oder in ähnlicher Form vielfach geschehen.
 
 
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kleiner Prinz
03-jun-04
@Steve
…ja, es geht um die kooperative Haltung. Auf Sinologen- wie auch auf Expatseite. Und dabei ist es oft schwierig seine Loyalitaet genau zu definieren und ihr in jeder Situation auch angemessen gerecht zu werden. Man wird oft genug von beiden Seiten vereinnahmt, ist aber jemand, der gleichermassen die Interessen beider Seiten versteht und zusammenfuehren will. Damit ist man einer groesseren Spannung unterlegen, als jemand der nur die Interessen einer Seite vertritt, sprich einseitig vorgeht…. In einem uebergeordneten Sinne der “Kundenzufriedenheit”, oder des “Erfolges des Unternehmens” verschwinden diese Unterschiede allerdings: Die Zufriedenheit des Kunden ist eben auch Garant des Produzenten im Sinne langfristiger Geschaeftsverbindungen. Vorwuerfe gespaltener Loyalitaet hoere ich jeden Tag: “Hey, Du bist doch einer von uns…!”
Letzendlich geht es zum Ausgleich von Interessen zum beidseitigen Nutzen. Somit muss der Sinologe seine Verliebtheit eben ein wenig zurueckdraengen und der Expat ein wenig versuchen die Gegenseite zu verstehen. Ich kenne beide Extreme und beide sind zu korrigieren.
 
 
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noley
03-jun-04
wir stellen schon länger bewußt KEINE sinologen mehr ein, und zwar aus gutem grund: die china-verliebtheit läßt sich oft nicht mit den herausforderungen eines harten wirtschaftsalltags vereinbaren, sprich: ein chinaverliebter sinologe ist für die meisten unternehmen eher kontraproduktiv.
 
 
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Michelle
03-jun-04
Louisa von Minckwitz fliegt öfter nach Südamerika um dort für ihre Modelagentur neue Mädchen oder Jungen zu suchen. Und auch wenn das nicht unbedingt dasselbe ist, so sagt sie über die Südamerikaner: "Mit kühler Distanz und ohne Spanisch, läuft gar nichts". Ich meine, das sagt doch alles. Um erfolgreich zu sein, kommt es darauf an, wie man mit den Leuten umgeht. Und das ist doch heute wichtiger denn je. Wenn man als arroganter Westler, ob das nun China ist oder Japan, vollkommen latte, irgendwo hinkommt und nichts von der Sprache weiß und meint, man sei der große Optimierer, dann kann das doch nur schlimm werden.
Wo leben wir denn?
Ich bin heilfroh, dass es heute eben nicht mehr mit dem Holzhammerschachtelmännchen geht, dass man sich als Deutscher aufführen kann wie man will. Nein, man erwartet kulturelle Kompetenz, fast noch mehr als Fachwissen!, was sowieso jeder BWLer hat.
Natürlich ist das 100 Tausend Jahre Geschichtswissen eines Sinologen für die Arbeit in China vollkommen überflüssig, das kann man einsehen, genau wie man auch, wenn man nicht weiß, wer Albrecht Dürer ist, in Deutschland ganz gut zurecht kommen kann, aber es ist eigentlich nichts persönlich unbefriedigender und vor allen Dingen ineffizienter als nicht wenigstens eine Ahnung von der Sprache zu haben, in einem Land, in dem man immerhin für eine nicht unbetröchtliche Zeit wohnt.

Bildet doch bitte Vergleiche mit "als"!!, nicht mit "wie"!!!! Bitte
 
 
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(thread closed)

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