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Internet - 100 Blumen?   guter beitrag schlechter beitrag
pirx
19-feb-06
Kinners, ich weiss nicht ob Euch das aufgefallen ist, aber seit ungefaehr einer Woche flutscht das Internet richtig gut. Ich kann von Downtown Shanghai sogar BBC Webseiten aufrufen. Voellig entgeistert wurde ich, als ich ueber Port 22 eine VPN Verbidung zu meinem Server in den USA aufbauen konnte, das hat es noch nie gegeben.

Frage stellte sich natuerlich, ob das nur Inkompetenz der Zensoren war, oder ob etwas anderes dahinter steckt.

Offensichtlich hat diese Lockerung mit der anhaltenden Diskussion ueber die Yahoos, Googles, Ciscos und Microsofts dieser Welt zu tun, die den kleinen Keim entstehender Informationsfreiheit (und damit Aufgeklaertheit) in China bereit waren und sind, ihren schnoeden Geschaeftemachereien zu opfern. Dafuer muessen sie sich nun vor dem Ethik Aussschuss des US-Senats verantworten.

Es gibt sogar Vergleiche mit den Geschaeftemachern im Dritten Reich.

Gleichzeitig gab es einen Protestbrief von 13 Senioren, Beamten und offenbar Parteifunkitonaeren, die die Propagandaabteilung kritisiert haben.

China am Pranger - und die Machthaber hier beweisen einmal mehr, dass sie ausschliesslich nur auf auessersten Druck und leider nicht auf Vernunft reagieren.

Erstmal einstweilen eine Lockerung, um zu zeigen 'wir sind garnicht so'. Normalerweise folgt auf so eine freie Phase eine viel staerkere Restriktion als vorher, die Rache, sobald die Welt in eine andere Richtung schaut.

Alte Schule: Eine 100 Blumen Kampagnie, man wartet darauf wer sich alles zeigt, um dann zuzuschlagen.

Ich hoffe natuerlich, dass ich genau falsch liege und dass sich wirklich etwas geaendert hat, denn dieses Land und diese Menschen sind es wert.
 
 
aw: Internet - 100 Blumen?   guter beitrag schlechter beitrag
Frieder Demmer
19-feb-06
Hallo Pirx,

die These das auf eine Phase der Lockerung "normalerweise eine viel staerkere Restriktion als vorher" sollte jemand, der wie Du lange Landeserfahrung ins Feld fuehrt, noch einmal bedenken: Das wuerde ja als eine echte Regel bedeuten, dass das China von Heute restriktiver waere, als das China vor der grossen Oeffnung. Aber vielleicht war es ja nur auf das Internet bezogen - selbst da haette ich - s.u. - Zweifel.

Dass wir zuletzt aller laechelnder Auslandsauftritte zum Trotz innenpolitisch eher eine restaurative Phase hatten, ist etwas anderes.

Richtig ist auch, dass wer die neue Freiheit im Netz nutzt, sich bewusst sein sollte, dass offen natuerlich nicht unbeobachtet bedeutet - was im uebrigen im Westen genauso gilt. Und richtig ist auch, dass zu erwarten steht, dass dieser Beobachtungsphase neue Zensuren folgen. Ob die dann restriktiver sind als vorher, oder nur die Aktualisierung der bestehenden Standards sei dahingestellt. Ich tendiere zu Letzterem.
 
 
aw: Internet - 100 Blumen?   guter beitrag schlechter beitrag
pirx
19-feb-06
Natuerlich findet eine Entwicklung statt, sonst wuerde es z.B. nicht mehr als 40 Fernsehkanaele, eine manchmal freche Presse und so viele Friseure geben.

Du kannst aber davon ausgehen, dass es erst 2 Schritte vorwaerts, dann in schneller Folge 4 zurueck und dann ganz langsam 3 Schritte vorwaerts gibt.
 
 
aw: Internet - 100 Blumen?   guter beitrag schlechter beitrag
Godfather
19-feb-06
Was das Thema Presse- und Meinungsfreiheit angeht, so hat es sich nach Informationen westlicher Medien unter Hu tatsächlich (aus unserer Sicht) zum schlechteren gewendet.

Das Internet wird stärker zensiert, genauso ist es mit den Medien. Das Potentian ist in den Augen der Führung scheinbar zu groß, dass durch freie Informationen sich das Land aufgrund sozialer Ungleichgewichte destabilisiert. Es ist aber ja nicht so, dass einfach nur zensiert wird, sondern das Thema "Sozialstaat" in den letzten 5-Jahres-Plan aufgenommen wurde.

Aber Wikipedia geht immer noch nicht. Von einem Frühling der Informationen zu sprechen ist da sicherlich überholt.

Zaijian
Godfather
 
 
aw: Internet - 100 Blumen?   guter beitrag schlechter beitrag
anonymous
19-feb-06
@Godfather

Das hoere ich auch von der auslaendischen Presse. Die Versuche die auslaendische Presse zu gaengeln sind massiver geworden. Die chinesischen Botschaften im Ausland sammeln taeglich Artikel ueber China und schicken diese zur Auswertung nach Peking. Kontroverse Journalisten werden schon mal ins Aussenministerium gebeten, um sich dort ueber die korrekte Sichtweise informieren zu lassen.

Es gibt durchaus 'offizielle' Skandale ueber die 'beinahe' schonungslose Berichterstattung druchaus auch mal geduldet wird - der Knochen, der der Meute hingeworfen wird.

Nach wie vor koennen auslaendische Journalisten Reisen ins In- und Ausland nur nach behoerdlicher Genehmigung antreten.

Was den Praesidenten angeht, man kannn an seiner Karriere bestens ablesen wessen Geistes Kind er ist (Tibet 1989).

Und wer meint, dass Deng Xiao Ping ein Liberaler gewesen sein koennte, der moege mal pruefen wer und warum damals beim 'Roten Konzil' auf chinesischer Seite den Bruch mit der KPdSU herbeigefuehrt hatte.
 
 
(thread closed)

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