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Zum Nichtstun in Guangzhou verdonnert?
Von Peter Kruse
Übersicht

Jan, 45, schreibt:

Meine Frau, unsere Tochter und ich leben seit einem halben Jahr in China. Meine Frau war in Deutschland im Marketingbereich tätig Meine Firma hat mich hierher versetzt, ich habe hier einen gut bezahlten Job, wir können uns dadurch einen relativ hohen Lebensstandard leisten. Eigentlich gefällt es uns in China, wenn meine Frau nur nicht so unzufrieden mit der Situation wäre, momentan nicht zu arbeiten. Sie ist immer häufiger schlecht gelaunt und lässt ihre Laune an mir aus, als wäre es meine Schuld, dass ich arbeiten gehe und sie nicht. So langsam habe ich das Gefühl, dieser Zustand könnte unser Leben hier sehr erschweren und ich befürchte sogar, dass meine Frau auf diese Weise die nächsten drei Jahre nicht in China bleiben wollen wird.

Peter Kruse antwortet:

Was Jan beschreibt, kann nicht nur in einem Land wie China ein Problem sein, sondern so geht es vielen Paaren vielerorts. „Mann geht arbeiten, Frau bleibt Zuhause“, dieses Lebensmodell ist nach wie vor weit verbreitet, nicht zuletzt deswegen, weil sich für viele Frauen Beruf und Kind(er) plus Haushalt nicht gut vereinbarenlassen. In Guangzhou kommt erschwerend hinzu, dass es hier nicht so einfach ist, in seinem speziellen Bereich eine geeignete Stelle zu finden, die einem nicht nur gefällt, sondern zudem noch gut bezahlt ist.

Manchen steht offen, für eine chinesische Firma unter lokalem Vertrag zu arbeiten, aber dies hat viele Nachteile, wenn man aus einer Kultur kommt wie der unseren. Für einige Frauen kann es auch aufgrund ihrer Qualifikation oder mangelnder Sprachkenntnisse schwierig sein, einen Job zu finden.

Insofern kann ich den Unmut, ja den Frust, vieler mit nach China gereister Ehefrauen (immer öfter auch Partnern) gut verstehen. Auf einmal soll „Frau“ Zuhause bleiben? Ohne eigene berufliche Aufgabe und Herausforderung? Nur für den Haushalt und die Kinder da sein? Hinzu kommt, dass die Ayis oft den Haushalt zum großen Teil führen und die Kinder lange in der Schule sind. Für viele ist das unbefriedigend.

Es ist also verständlich, dass viele Frauen sich fragen, was sie denn nun eigentlich tun sollen in China, in der Fremde, und dass nach der ersten Aufregung und der Aufgabe des sich Einlebens und der Gestaltung des Lebensumfeldes die große Leere kommen kann.

Auf der anderen Seite sind da natürlich auch viele Vorteile des Lebens in China: der Mann verdient gut und das ermöglicht der Familie ein „gutes Leben“. Man kann mehrmals im Jahr in den Urlaub fahren, ein weiteres Mal verbringt man die Ferien in der Heimat. Noch dazu hat man eine Ayi, die den Haushalt macht, oft zahlen die Firmen gute Schulen für die Kinder. Für die Männer ist es oft ebenso frustrierend, wenn sie spüren, dass dies der eigenen Ehefrau nicht reicht, dass sie dennoch unzufrieden ist. Sie wollen nicht Abend für Abend nach Hause kommen und von der schlecht gelaunten Frau empfangen werden, schließlich arbeiten sie doch auch und gerade für die Familie.


 
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Juergen110
20-jun-17
"Ohne eigene berufliche Aufgabe und Herausforderung? Nur für den Haushalt und die Kinder da sein?"
Also sind Haushalt und Kinder keine Aufgabe und auch Herausforderung ?!?
"Hinzu kommt, dass die Ayis oft den Haushalt zum großen Teil führen und...."
Ja neeee, is klar.....
>Sarkasmusaus<
:-)))))
 
 
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